Erfahrungsbericht

„Durch meine Familie und Freunde konnte Gott mich auffangen, trösten und stärken“

★Kind Lukas, ca. 5. Monat – Bericht 2. Teil

◾Die Frauenärztin im Krankenhaus war ziemlich kühl. Aber es war mir in diesem Moment lieber so. Die erste Frage war, ob wir das Kind dabei hätten, was wir verneinten.
Verständnislosigkeit spiegelte sich in ihrem Gesicht wieder. „Dann können wir leider auch nicht herausbekommen, warum das passiert ist.“ sagte sie kühl, dann untersuchte sie mich. Sie sagte mir, dass ich keine Ausschabung bräuchte, aber die nächsten 3 Tage im Krankenhaus bleiben sollte.
Sie reagierte geschockt und fassungslos, als ich ihr sagte, dass ich jetzt wieder nach Hause gehen möchte, da ich noch zum Lobpreis wollte. Sie sagte, ich könnte verbluten, wenn ich jetzt gehe.

◾Doch ich hatte meinen Entschluss gefasst. Tief in mir zog es mich zu diesem Lobpreis, zu dieser Gegenwart Gottes, die ich da spüren konnte, und zu diesen Menschen, die mich auffangen können. Ich wollte nicht alleine mit meinem Mann im Krankenhaus liegen und Trübsal blasen.
Als wir dann wieder zu Hause waren, wuschen wir unseren Sohn ab, und gaben ihm den Namen Lukas Joachim. Wir riefen noch ein paar Leute aus der Familie an, um ihnen von diesem Verlust zu berichten. Es ist interessant wie unterschiedlich Menschen auf diese Nachricht reagieren.
Am meisten berührte mich die Reaktion meiner Schwägerin, die einfach nur still am Telefon für uns weinte. In diesem Moment wurde mir klar, wie hilflos andere sich fühlen müssen, bei solchen Nachrichten. Der Drang, sie zu trösten, wurde größer, als das Gefühl, Trost zu brauchen. Also blieb ich an diesem Tag besonders stark.

◾Als wir zum Lobpreis gingen, erfuhr ich eine so herzliche Atmosphäre, dass ich mich bestätigt fühlte, dass dies der richtige Weg war. Unter diesen Menschen zu sein, und sich auffangen zu lassen, sich umarmen zu lassen, sich trösten zu lassen, war in diesem Moment wichtig, um nicht in ein Loch zu fallen.

◾Nach dem Lobpreis planten wir eine Beerdigung am Abend in unserem Garten. Sein Kind zu beerdigen, ist eines der schlimmsten Gefühle die man erlebt. Und ich war froh, das ich meine Freunde und Familie hatte.
Ich begab mich bewusst in die Gegenwart meiner Freunde und Familie. Denn durch sie konnte Gott mich auffangen, und mich trösten und stärken.
Zu sehen, für was diese Menschen bereit waren, nur um für uns an diesem Tag für uns da zu sein, erfüllte mein Herz mit so viel Stolz und Liebe.

◾Hätte ich meine beste Freundin nicht aufgehalten, wäre sie sofort aus Afrika zu uns geflogen. Mein bester Freund fuhr an diesem Tag über 300 km nur um für diesen Moment für uns da sein zu können. Mein Hauskreis kam geschlossen zur Beerdigung und übernahm den Lobpreis und die Andacht. Unsere Eltern waren ohne zu Zögern von weit gekommen. Diese Liebe und Bereitschaft uns aufzufangen, noch viele Wochen nach der Fehlgeburt, halfen uns dabei dieses Erlebnis zu verarbeiten.

◾Jetzt sind seither 5 Jahre vergangen. Doch ich vermisse unseren Sohn jeden Tag, auch wenn ich meinen Frieden gefunden habe.
Nicht jeder kann das verstehen. Doch ich habe Nachsicht mit ihnen. Sie können nicht verstehen, wie ein Mutterherz in so einer Situation fühlt. Und ich finde sie sind gesegnet, das sie diese Erfahrung nie machen mussten.

 

◾Einen besonderen Trost habe ich in einem Traum gefunden, in dem ich meinen Sohn sehen durfte. Ich kenne diese Art Träume, wenn Gott sie mir schickt. Es sind Prophetien. Sie sind nicht so, wie andere Träume, sie sind gestochen scharf, und ich kann jede Einzelheit sehen.
Im Traum stand ich im Einkaufszentrum und suchte mein Baby, und sah dann einen jungen Mann auf einem Geländer sitzen. Ich rannte auf ihn zu, und rief: „Schatz! Hier, ich habe ihn gefunden, er hat dein Grübchen!“
Mein Sohn war im Traum ca. 20 Jahre alt. Er war groß und sah mir und meinem Mann sehr ähnlich. Er hatte den Körperbau von meinem Mann, und das Grübchen am Kinn. Dafür hatte er meine Augen, und meine Nase. Er hatte blonde kurze Haare. Ich umarmte ihn fest und er ließ sich von mir berühren, als wäre es völlig normal. Dann stellte er mich seinen Freunden vor. Ich entschuldigte mich bei ihm, dass ich ihn nicht aufziehen konnte, doch er lächelte nur und meinte, dass alles ok wäre, und er mich lieb hat.

Es gibt viele, die daran zweifeln, dass dies nicht nur ein Wunschtraum war. Aber ich weiß es besser. Zu wissen, das mein Sohn im Himmel auf mich wartet, und es ihm gut geht, hat mir Frieden geschenkt.

 

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